Screenshot Sweet Home 3D

Sweet Home 3D: Anleitung für Einsteiger

Du möchtest dein Haus planen, deine Wohnung umgestalten oder dich für eine neue Wandfarbe entscheiden? Oft fehlt einem die Vorstellungskraft, denn Grundrisse auf Papier geben die Raumverhältnisse nicht immer optimal wider. Mit dieser Anleitung für das Visualisierungsprogramm Sweet Home 3D möchte ich dir die ersten Schritte zu deiner 3D-Planung etwas leichter machen.

Schritt 1: Sweet Home 3D downloaden und installieren

Zuerst müsst ihr euch natürlich erst mal das Programm herunterladen. Ihr habt dafür mehrere Möglichkeiten, denn Sweet Home 3D gibt es in einer kostenlosen und einer kostenpflichten Variante.

Wenn ihr jetzt sofort und gleich loslegen möchtet, dann bietet sich die kostenpflichtige Version für aktuell 14,99 Euro an ,die ihr z.B. hier bei Amazon kaufen könnt*. Hier sind über 1000 Modelle bereits enthalten. Ihr startet also mit einer gut bestückten Datenbank.

Wer ein bisschen Zeit und Muße mitbringt, kann sich das Geld aber auch sparen und die kostenlose Variante runterladen. Hier sind nur 100 Modelle enthalten. Aber keine Sorge: Auch bei dieser Version lässt sich nachträglich noch Mobiliar importieren. Wenn man erst mal alle kostenlosen Modellsätze heruntergeladen, entpackt und importiert hat, ist man etwa genauso gut aufgestellt wie bei der kostenpflichtigen Variante. Vom Funktionsumfang her unterscheiden sich die beiden Versionen nämlich kaum.

Schritt 2: Alle wichtigen Maße zusammensuchen

Als nächstes solltet ihr euch einen kurzen Moment Zeit nehmen, euer Planungs-Vorhaben zu bewerten. Was möchtet ihr gestalten? Einen einzelnen Raum, eine Wohnung, ein ganzes Haus? Bevor man sich nämlich ans Einrichten machen kann, muss erst mal das Grundgerüst gebaut werden. Und das geht deutlich schneller, wenn man ein paar Dinge vorbereitet hat:

  • Wie lang sind die einzelnen Wände? Wenn ihr einen bemaßten Grundriss habt, könnt ihr die Wandlängen schnell ablesen. Falls nicht, lassen sich einzelne Räume auch mit einem Zollstock einigermaßen ausmessen. Für mehrere Räume, deren Maße ihr nicht kennt, (z.B. bei einem Umbau) lohnt sich vielleicht auch die Investition von 20 bis 60 Euro in ein Lasermessgerät*. Damit könnt ihr blitzschnell ganze Wände abmessen.



  • Welche Abstände gibt es zu beachten? Zusätzlich müsst ihr auch noch wissen, in welchem Abstand zur Wand sich Türen, Fenster, etc. befinden. Auch schon vorhandene Steckdosen, Deckenauslässe etc. sollten abgemessen werden, damit ihr sie im Programm korrekt platzieren könnt.
  • Hast du den Grundriss auch in digitaler Fassung? Damit sparst du dir viel Arbeit. Viele Bauträger und Architekten geben den Grundriss auch digital raus. Notfalls kannst du ihn auch einscannen oder abfotografieren, wenn du ihn nur auf Papier hast. Im nächsten Schritt hilft das nämlich enorm weiter.

Schritt 3: Grundriss bei Sweet Home 3D hochladen

Hintergrundbild bei Sweet Home 3D hochladen
Unter dem Reiter „Plan“ könnt ihr euren eigenen Hintergrund hochladen

Das Programm ermöglicht euch, pro Ebene (Stockwerk) ein Hintergrundbild hochzuladen. Das könnt ihr nutzen, um euch das Anlegen der Wände deutlich leichter zu machen. Dafür klickt ihr einfach auf den Reiter „Plan“ und wählt dort den Menüpunkt „Hintergrund importieren“.

Ihr braucht eine Bild-Datei im Format BMP, JPG, GIF oder PNG. Falls ihr eure Grundrisse nur als PDF habt, könnt ihr euch mit folgendem Trick behelfen: Öffnet die PDF-Datei auf eurem PC oder Mac, zoomt soweit ran, dass der gesamte Grundriss auf euren Bildschirm passt und macht dann einen Screenshot. Den könnt ihr problemlos bei Sweet Home 3D hochladen. Bitte beachtet dabei, dass ihr jedes Stockwerk als separates Bild abspeichert.

Nun wird’s kurz etwas „fummelig“: Ihr braucht zumindest von einer Wand die genauen Maße. Die gebt ihr ins Programm ein. Ich nehme am liebsten immer eine Außenwand, da lassen sich die Anfang- und Endpunkte gut bestimmen. Zieht zuerst die Punkte grob an Anfang und Ende der Wand. Mit der kleinen Lupe zoomt ihr dann so nah ran, dass ihr sie genau platzieren könnt. Tipp: Shift auf der Tastatur gedrückt halten, damit die Linie grade bleibt!

Wandmaße bei Sweet Home 3D eingeben
Nutzt die kleine Lupe, um die Start- und Endpunkte eurer Wand genau festzulegen.

Nun bittet euch das Programm noch, einen 0-Punkt fürs Koordinaten-System zu setzen. Das ist eigentlich nur wichtig, wenn ihr mehrere Stockwerke habt, damit das Programm die Grundrisse korrekt übereinander setzt. Nehmt deswegen einen Punkt, den ihr auch in anderen Stockwerken gut wiederfindet – zum Beispiel ein Hauseck.

Wenn ihr diesen Schritt einmal erledigt habt, habt ihr dauerhaft einen „Spickzettel“ und müsst nicht ständig zwischen Sweet Home 3D und eurem Grundriss hin- und herwechseln. Das ist sehr praktisch!

Schritt 4: Außen- und Innenwände erstellen

Durchhalten, Leute! 🙂 Das Erstellen des Grundgerüsts ist mitunter etwas langwierig – aber ihr müsst es auch nur einmal machen. Wenn die Wände und Räume angelegt sind, könnt ihr euch mit der Wand- und Bodengestaltung austoben, Möbel einbauen und tolle Visualisierungen machen.

Sweet Home 3D Tool-Leiste
In der Tool-Leiste findet ihr alles, was ihr braucht.

Bis dahin könnt ihr euch schon mal mit den beiden wichtigsten Tools vertraut machen: Wände erstellen und Räume erstellen. Beides findet ihr in der Tool-Leiste. Um euren Grundriss zu erstellen, könnt ihr auf zwei verschiedene Arten arbeiten:

  • Mit dem Tool „Räume erstellen“ klickt ihr erst auf alle Ecken eines Raumes und beendet diesen Prozess dann mit Esc oder einem Doppelklick. Dann wechselt ihr zu „Wände erstellen“ und macht einfach einen Doppelklick auf den Raum – das Programm erstellt automatisch alle umschließenden Wände.
  • Andersrum geht es auch: Habt ihr schon alle Wände, klickt einfach mit „Räume erstellen“ doppelt in den Leerraum dazwischen und es wird automatisch ein Raum erstellt.

Damit eure Wände immer die richtige Dicke haben, solltet ihr die Einstellungen im Blick behalten. Unter „Datei“ -> „Einstellungen“ könnt ihr eine Standarddicke und -höhe für Wände einstellen. Die lässt sich natürlich auch nachträglich für die einzelnen Wände ändern, aber es ist einfach bequemer, wenn ihr das vorher einstellt 🙂

Texteingabe-Modus bei Sweet Home 3D
Sehr praktisch für centimetergenaues Arbeiten: Der Texteingabe-Modus bei Sweet Home 3D

Ein wichtiges und häufig übersehenes Tool ist die Texteingabe: Das ist besonders wichtig, wenn ihr mit Sweet Home 3D ausprobieren möchtet, ob ihr bestimmte Möbel in bestimmte Räume reinkriegt. Dann zählt nämlich jeder Centimeter. Deswegen arbeite ich bei meinen Projekten immer mit dem Innenmaß von Räumen.

Dafür drückt ihr einfach beim Erstellen von Wänden oder Räumen die Eingabetaste. Jetzt könnt ihr ganz bequem mit der Tastatur die Länge des Raumes eingeben. Drückt wieder Enter und das Programm springt zum nächsten Punkt. Macht das so lange, bis euer Raum fertig ist, dann wechselt zu „Wände erstellen“, macht einen Doppelklick und schon habt ihr alle Außenwände erstellt.

An dieser Stelle noch mal ein Plädoyer fürs Durchhalten: Wenn ihr hier sauber arbeitet und eure Räume ordentlich anlegt, werdet ihr lange Freude an eurem 3D-Modell haben. Und soviel Arbeit wie für das erste Stockwerk müsst ihr euch auch nur einmal machen. Die Außenwände zum Beispiel könnt ihr für die anderen Stockwerke einfach kopieren.



Schritt 5: Bei Sweet Home 3D mehrere Stockwerke anlegen

Dieser Schritt ist natürlich optional und betrifft euch nur, wenn ihr ein ganzes Haus mit Sweet Home 3D planen möchtet. Aber auch bei Wohnungen mit mehreren Ebenen, Hanggrundstücken etc. kann es sinnvoll sein, sich mit dieser Funktion auseinander zu setzen.

Mehrere Stockwerke bei Sweet Home 3D anlegen
Mehrere Stockwerke anlegen: Die Niveaus lassen sich auch nachträglich noch verändern

Eigentlich ist die Erstellung von mehreren Ebenen gar nicht schwer, denn Sweet Home 3D macht das weitestgehend automatisch. Dafür muss nur unter „Datei“ -> „Einstellungen“ die Geschosshöhe als Standard-Wandhöhe eingestellt sein. Wenn ihr dann auf „Plan“ -> „Niveau hinzufügen“ (oder das kleine Plus über der Grundriss-Ansicht) klickt, wird automatisch das nächsthöhere Stockwerk erstellt. Deswegen ist es sinnvoll, bei unterkellerten Gebäuden mit der Erstellung des Kellers zu beginnen.

Aber auch nachträglich lassen sich die Niveaus noch verändern. Dafür genügt ein Doppelklick aufs jeweilige Niveau oder den Menüpunkt „Niveau bearbeiten“. Damit eure Stockwerke nahtlos aufeinander sitzen, muss die Erhebung eines Stockwerks immer Erhebung + Bodendicke + Höhe des vorherigen Stockwerks sein. Falls ihr Zwischenebenen einziehen wollt, könnt ihr hier auch ganz bequem die Höhe einstellen.

Wände in andere Stockwerke übernehmen

Sitzen eure weiteren Stockwerke, könnt ihr nun hergehen und für diese auch die Grundrisse hochladen. Geht dafür einfach nochmal zu Schritt 3 und folgt dort den Anweisungen.

Um die Wände bei den weiteren Stockwerken etwas schneller zu erstellen, geht ihr zurück zu eurem ersten Stockwerk. Haltet Shift auf der Tastur gedrückt und markiert alle Wände, die ihr auch im anderen Stockwerk haben möchtet (Bei uns sind das zum Beispiel Außenmauern, tragende Wände und die Mauern des Treppenhauses). Nun drückt ihr Strg+C, wechselt ins Zielstockwerk und drückt Strg+V. Voila! Alle Wände sitzen nun perfekt übereinander.

3D-Hausplanung mit Sweet Home 3D
Ein sorgfältig angelegtes Modell könnt ihr immer wieder erweitern und damit z.B. eure Außenanlagen planen

Schritt 6: Türen und Fenster platzieren

Fenster und Türen bei Sweet Home 3D platzieren
Fenster und Türen korrekt platzieren: Das Programm zeigt euch den Abstand zu den Wänden an

Nun ist das Grundgerüst schon wirklich fast fertig – es müssen nur noch Fenster und Türen platziert werden. Die nehmen im Mobiliar tatsächlich eine gewisse Sonderfunktion ein, denn bei den Visualisierungen fällt durch die Fenster tatsächlich Licht rein.

Wenn ihr euren Grundriss drunter liegen habt, geht dieser Teil auch wirklich schnell. Macht im Mobiliarkatalog (linke Spalte) den Ordner „Türen und Fenster“ auf und schnappt euch passende Fenster. Es gibt sowohl einfache als auch doppelte Fenster mit oder ohne Sprossen. Falls ihr größere Glasfronten haben solltet, könnt ihr diese mit mehreren Fenstertüren nachbauen.

Habt ihr das Fenster erst mal in den Plan gezogen, könnt ihr mit einem Doppelklick darauf das Eigenschaftsfenster aufmachen und hier Breite, Höhe und Brüstungshöhe einstellen. Tipp: Anstatt das jedes Mal aufs Neue einzustellen, kopiert das Fenster (Strg+C und dann Strg+V), dann bleiben die Maße gleich 🙂

Sweet Home 3D: Diese Tutorials kommen noch

Wenn ihr diese Schritte alle ordentlich durchgeführt habt, könnt ihr loslegen: Räume gestalten, Mobiliar platzieren und Farben verändern. Dazu kommen natürlich noch jede Menge Tutorials!

Diese Themen hat sich die Instagram-Community gewünscht, deswegen werde ich sie der Reihe nach abarbeiten:

  • Cooles Mobiliar für Sweet Home 3D: Wo ihr kostenlos neue Möbel herbekommt – und wie ihr aus den altmodischen Standard-Modellen zeitgemäße Möbel machen könnt
  • Was das Visualisierungs-Tool alles kann: So erstellt ihr hochauflösende 3D-Visualisierungen mit Schattenwurf, Tageslichtsimulation und verschiedenen Lichtquellen – und: 3D-Videotour durch euer Modell!
  • Raumgestaltung: Neue Bodenbeläge und Fliesen importieren, Sockelleisten anbringen, Vorsprünge und ähnliches darstellen
  • Hausgestaltung: Wie ihr Dächer, Giebel und Erker bauen könnt
  • Außenanlagen gestalten: Das Grundstück modellieren, Hänge und mehrere Ebenen anlegen

Habt ihr noch Fragen?

Dann immer her damit! Hinterlasst einfach einen Kommentar oder besucht uns auf unserem Instagram-Account theblissfulhome. Ich versuche nach und nach alle Fragen zu beantworten und in die Tutorials einzuarbeiten, damit alle was davon haben 🙂

 

 

2 thoughts to “Sweet Home 3D: Anleitung für Einsteiger”

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.